Mit dem Song „I Want It All“ von Queen (1989) eröffnete die Band Fine Taste ihre zweite Soulful Night in der Villa Wellentanz. Das Kraftpaket Fine Taste gab alles, was man sich das Publikum hätte wünschen können, wenn man ein Konzert mit Soul, Blues und Rock’n’Roll besucht!

Wie im Vorjahr war die Band in ihrer vollen Besetzung zu sehen und zu hören: Dave Troxler aus Pfäffikon ZH (Lead vocals, Acoustic Guitar), Hansueli Kuhn aus Weisslingen (E-Bass, Contra Bass, Backing Vocals), Claudio Weber aus Russikon (E-Guitar, Backing Vocals), Marco Reust aus Fehraltorf (Piano, Hammond-Keyboard), Andi Lindegger aus Russikon (Drums, Cajon, Percussion) und Yves Staub (Licht- und Tontechnik)
Bereits beim dritten Song, „I Shot the Sheriff“ von Eric Clapton (1973) durfte das Publikum eine erste Solo-Einlage erleben: Marco Reust setzte auf seiner Hammond-Orgel zu einer fetzigen Kadenz an und löste damit helle Begeisterung und Szenenapplaus aus. Immer wieder überraschte die Band im Verlauf des Konzerts mit virtuosen Soli, sei es Claudio Weber bei „Uf die guete Zyte“ von Polo Hofer (2000) oder Andi Lindegger beim Lied „Hemmige“ in der Cover-Version von Stefan Eicher (1991). Einen Höhepunkt setzte Marco Reust nach dem Song „Sharp Dressed Man“ von ZZ Top (1983), diesmal auf seinem Digitalpiano mit einem langen und vielfältigen Solo, das die Hörer mit unterschiedlichsten Stimmungen in seinen Bann zog – und Reust improvisierte dieses Solo aus dem Moment heraus!
Danach setzte die Band zum Mundart-Lied „D’Rosemarie und i“ von Rumpelstilz (1976) an, einer wunderschönen Ballade, die wehmütig an eine längst vergangene Reise nach Paris und Spanien mit Rosemarie besingt, als sei es erst gestern gewesen. Diese Wehmütigkeit wurde im feinfühligen Arrangement spürbar, in einsamen, leisen Gitarrenklängen, die in ein tolles instrumentales Tutti hineinwuchsen, um beim Refrain plötzlich wieder sehr intim zu werden. Überhaupt zeichnete sich Fine Taste im ganzen Konzert durch sehr abwechslungsreiche Patterns auf; in keinem Moment kam Langeweile auf. Spätestens vom fünften Song an „Old Time Rock n’Roll“ von Bob Seger (1979) hatte die Band sein Publikum völlig in seinen Bann gezogen, das – wie einer der Besucher meinte – noch bei keinem Konzert zuvor so mitgegangen war wie in dieser Soulful Night. Bei vielen ging die Musik so in die Beine, dass jeder freie Platz im Saal zum Tanzen genutzt wurde. Es wurde mitgeklatscht, mitgesungen, Lichter geschwenkt; es war eine echt tolle Stimmung, der das trübe Wetter nichts anhaben konnte!
Nebst den fünf Musikern war auch der Licht- und Tontechniker Yves Staub im Einsatz, der fortlaufend für eine einwandfreie, ausgewogene Klangmischung sorgte, aber auch für einen kongenialen Licht-Kontrapunkt, der notabene nicht automatisch an das Klanggeschehen gekoppelt war, sondern in virtuosem Handbetrieb generiert wurde. Das Lichtspiel passte rhythmisch stets perfekt und untermalte die Stimmungen auch fürs Auge.

Was für ein berührender und mitreissender Reigen in einer sehr gelungenen Mischung aus englischen und amerikanischen Hits, zum Beispiel von den Rolling Stones, Eric Clapton, Johnny Cash und Elvis Presley, im Wechsel mit Mundart-Liedern von Polo Hofer, Patent Ochsner, Rumpelstilz und Mani Matter. Das Versprechen einer Soulful Night wurde voll erfüllt. Dave Troxler dankte am Schluss in bewegenden Worten seiner Band („Es ist eine Freude, mit so tollen Musikern spielen zu dürfen“), den Gastgebern Jean-Pierre Kousz und Barbara Münch, die in Wila eine einmalige Konzertreihe etabliert haben, und den vier Helfern an der Bar. Leider wird es selbst für so tolle Bands wie Fine Taste immer schwieriger, im Zeitalter von KI-Musik Auftrittsmöglichkeiten in Bars und Konzertsälen zu finden – ein Plädoyer, Live Musik nicht aus den Augen und Gehör zu verlieren, dem sich der Reszendent vorbehaltlos und gerne anschliesst.
„Eine nämemer na“ (2007) war nicht nur das Motto von Polo Hofer, sondern auch des Publikums, das nach dem offiziellen Schlusslied („Whats Up“ von 4 Non Blonds, 1992) die Band mit Applaus und Skandierung von „Zuugaabee!“ um eine Verlängerung bat – die bekam es auch in einer sehr ungewohnten Art: Fine Taste bat darum, die linke hintere Ecke des Saals freizumachen, wo bereits der hauseigene Digitalflügel und „Chantal“ (Hansueli Kuhns Kontrabass und „die einzige Frau in der Band“) auf ihren Einsatz harrten: die drei letzten Bonus-Lieder sang die Band unplugged und setzte damit einen beinahe unwirklich schönen Schlusspunkt, zuletzt mit „My Way“, das durch Frank Sinatra 1968 ein Megahit wurde.
Ja, Fine Taste hat die Soulful Nights auf ihre Weise gestaltet – „They Gave It All And Now!“ müsste der Titel eines Song lauten, der diesem Auftritt gerecht würde.
Verabschiedung
Bericht: René Kousz
Bilder: André Gutzwiller, Fotothek GmbH (Fotos folgen)
Video: Imaago GmbH
Fine Taste: www.fine-taste.com
