Benny’s from Heaven: eine Hommage an Benny Goodman (1909-1986), den amerikanischen Klarinettisten, Bandleader und Komponisten, der uns unsterbliche Swing-Stücke hinterlassen hat. Goodman ist schon lange von uns gegangen – möge er tatsächlich im Himmel weilen, wie es der Name der Formation nahelegt – seine Werke wurden in der Villa Wellentanz dank erstklassiger Musiker wieder lebendig und brachten ein Stück Himmel in die Herzen der Besucher.
Drei Musiker sind dem Stammpublikum bereits vertraut: Dave Ruosch absolvierte am Konservatorium Zürich eine klassische Ausbildung, wandte sich aber bald dem Boogie, Blues und Stride-Piano zu; das Wellentanz-Publikum durfte ihn bereits am 28. Februar als Pianisten der Sängerin Lisa Berg erleben; diesmal brillierte er an seinem Stage-Piano mit jazzigen, vielseitigen Klängen, mal lustvoll arpeggierend, mal mit vollgriffigen und orchestral wirkenden Akkorden, mal taktgebend begleitend.
Der Bassist Arno Schulz und der Schlagzeuger Martin Meyer traten am 9. November 2025 in der Formation „Jumpin’ Blues Cats“ mit dem Sänger und Mundharmonikaspieler Walter Baumgartner und dem Gitarristen Pascal Ammann auf; beide überzeugten auch diesmal mit ihrer Musikalität und souveränen Virtuosität.

Der „Neue“ war diesmal Simon Wyrsch, der sich weltweit als Jazzklarinettist einen Namen gemacht hat. Geboren 1983 in Zürich, hat er sich bereits als Teenager ein so professionelles Niveau erarbeitet, dass er in Bands auftreten konnte. Heute konzertiert er weltweit in unterschiedlichen Formationen und lieferte nun sein Debüt in der Villa Wellentanz in der Formation „Benny’s from Heaven“. Wer auch immer die Klarinette als unangenehm kratziges Instrument im Ohr haben mochte – Wyrsch liess das völlig vergessen: Er entlockte seinem Instrument ungeahnte Klänge und Prestissimo-Tonfolgen; der Rezensent glaubte zeitweise sogar eine sanfte Oboe oder ein sinnliches Sax zu vernehmen; Wyrsch spielt die Klarinette nicht – er singt sie!
Vor erneut ausverkauftem Haus fand am 9. Mai ein denkwürdiges Konzert mit der Formation „Benny’s from Heaven – Jazz und Swing der Extraklasse“ statt; damit beschlossen die Gastgeber Jean-Pierre Kousz und Barbara Münch ihre dritte Saison in der Villa Wellentanz, womit sich diese Kulturstätte endgültig in Wila etabliert hat: Sämtliche Konzerte der dritten Saison waren ausverkauft!

Die vier Musiker eröffneten ihr Programm mit „That’s a Plenty“ (1914), einem Rag, der 1944 auch von Benny Goodman abgewandelt wurde; bereits hier warteten die Musiker mit Solo-Passagen auf. Simon Wyrsch begrüsste danach das Publikum mit einem Dank an die Gastgeber und mit dem Motto: früher wurde hier geschwommen, heute wird geswingt. Träumerisch-romantisch wurde es mit „Poor Butterfly“ (1916), das von Puccinis Oper „Madame Butterfly“ (1904) inspiriert war und 1944 von Goodman aufgegriffen wurde; Wyrsch hauchte zarte, sinnliche Klänge hin; Ruosch parlierte im Mittelteil verträumt, Schulz und Meyer gaben einen ruhigen Kontrapunkt dazu. „How High the Moon“ (1940) wurde von unzähligen Musikern interpretiert, natürlich auch von Goodman (sogar bereits im Jahr 1940 mit seinem Septett). In „Memories of You“ (1930 / Goodman 1955) arpeggierte Ruosch zeitweise genüsslich durch die ganze Tastatur, was Wyrsch auf der Klarinette aufgriff. In „Stompin’ at the Savoy“ (1933 / Goodman 1936) berührte ein sehr intimer Dialog zwischen Klarinette und Bass, Ruosch zitierte sogar kurz ein Bach-Präludium und bei „Shivers“ (1939 / Goodman 1939) begann das Publikum mitzuklatschen und zu tanzen.
Zwischen den Stücken erzählte Wyrsch im gemütlichen Plauderton ein paar Anekdoten aus Goodmans Leben: Benny hatte ein so schlechtes Namensgedächtnis, dass er alle Menschen mit „Pops“ anzureden pflegte – sogar seine Frau! Als er einmal in Zürich auf der Quaibrücke spazierte, wunderte er sich, dass ihn niemand erkannte. Als es bei einer Probe im Raum unangenehm kalt war, holte er sich einfach einen Pullover statt für alle die Heizung anzuwerfen. In Restaurants konnte es vorkommen, dass er sich als mehrfacher Millionär vor dem Bezahlen einfach davonschlich und seine Band die Rechnung begleichen musste. Dafür hat er wesentlich dazu beigetragen, dass weisse und farbige Musiker heutzutage völlig selbstverständlich zusammen spielen; vor seiner Zeit war eine strikte Rassentrennung üblich!
Nach der Pause ging es in „Air Mail Special“ (Goodman 1941) gleich mit zwei Besonderheiten weiter: Das Stück setzte voraus, dass der Schlagzeuger eine Kuhglocke dabei hatte – Meyer schaffte es tatsächlich, dem Schlagzeug Klänge einer Kuhglocke zu entlocken; zudem begeisterte er das Publikum mit einem langen Schlagzeugsolo, das mit einem frenetischen Szenenapplaus belohnt wurde. „Honeysuckle Rose“ (1928 / Goodman 1939) setzte mit einem wunderschönen Piano-Intro ein, das jedem Foyer eines Edelhotels zur Ehre gereicht hätte. „Slipped Disk“ („Bandscheibenvorfall“ – Goodman 1945) spielt humorvoll auf die körperliche Belastung von Musikern an – es gibt übrigens tatsächlich auch ein Rückentrainingsprogramm eines Dr. Eric Goodman! Der offizielle Teil des Konzerts endete mit „Good Bye“ (Goodman 1935) in der Small Band Version, einem wunderschönen Slow-Swing. Natürlich klatschte das Publikum noch eine Zugabe heraus, die es in Form von „Flying Home“ (Goodman 1940) bekam.

So verwöhnte Benny’s from Heaven das Publikum mit Swing und Jazz vom Feinsten, zwischendurch immer wieder mit tollen Solopassagen und Dialogen, in welchen die Meisterschaft aller vier Musiker zutage trat und alle Besucher gewiss mit einem Stück Himmel im Herzen in den irdischen Alltag entliess.
Simon Wyrsch im Gespräch – Klarinette, Swing und ein Leben für die Musik
Simon Wyrsch entdeckte die Klarinette mit elf Jahren in einem Schulorchester der Waldorfschule und wusste spätestens mit sechzehn, dass Musik sein Leben sein würde. Heute zählt er zu den vielseitigsten Klarinettisten der Schweizer Jazzszene – ob Swing, Bossa Nova, Gipsy Jazz oder Volksmusik. Im Gespräch – aus organisatorischen Gründen über Microsoft Teams geführt – erzählt Simon, wie er mit «Benny's From Heaven» die Musik von Benny Goodman auf seine ganz eigene Art interpretiert, wie die Band vor rund fünfzehn Jahren zusammenfand und warum das Quartett aus Klarinette, Klavier, Bass und Schlagzeug für ihn das Streichquartett des Jazz ist. Er berichtet von einer unvergesslichen Russland-Tournee, seiner Leidenschaft für verschiedene Stile – und davon, warum ein intimer Saal wie die Villa Wellentanz für ihn genauso reizvoll ist wie eine grosse Festivalbühne.
Bericht: René Kousz
Bilder & Video: Jean-Pierre Kousz / Imaago GmbH

Das Konzert vom 8.5.2026 «Benny’s from Heaven» war einsame Spitzenklasse!
Ein riesengrosses DANKE an euch beide Organisatoren und Gastgeber, aber auch an die Musiker, wir genossen einen wunderbaren Abend bei perfekter Atmosphäre.
Beim Adieu sagen, hast Du Jean-Pierre erwähnt, dass es ev. ein quasi internes Konzert mit Dave Ruosch und Martin Meier geben könnte. Wir wären gerne dabei, wie könnten wir erfahren wenn dies gelingen würde?
Wir werden uns für den 20.03.2027 Lisa Berg und Dave Ruosch und für den 08.05.2027 Zwei wilde Klaviere je zwei Tickets sichern. Wir kennen die Villa Wellentanz erst seit dem 08.05.2026, sind aber bereits grosse Fans von euch beiden. Vielen Dank dass wir in den Genuss kommen konnten.
Herzliche Grüsse
Rolf und Monika Bruhin
Guten Tag Monika, guten Tag Rolf
Ganz herzlichen Dank für eure lieben Zeilen — sie haben uns sehr gefreut. Es ist wunderbar zu hören, dass ihr den Abend mit «Benny’s from Heaven» so genossen habt. Solche Rückmeldungen sind für Barbara und mich, aber auch für die Musiker, die schönste Bestätigung unserer Arbeit.
Zum möglichen ausserplanmässigen Konzert mit Dave Ruosch und Martin Meier: Wir sind noch in der Findungsphase, ob und wann dies zustande kommt. Sobald etwas Konkretes spruchreif ist, werden wir euch informieren.
Schön auch, dass ihr bereits an die nächste Saison denkt. Lisa Berg & Dave Ruosch am 20. März 2027 sowie «Zwei wilde Klaviere» am 8. Mai 2027 sind beides Highlights, auf die wir uns sehr freuen. Der Ticketverkauf für die Saison 4 läuft bereits, ihr könnt eure Plätze also jederzeit über unsere Website sichern.
Wir freuen uns sehr, euch als neue Fans der Villa Wellentanz begrüssen zu dürfen, und sind dankbar, dass ihr den Weg zu uns gefunden habt. Bis bald in Wila!
Herzliche Grüsse
Jean-Pierre und Barbara