Mehr als nur Volksmusik!
«Volksmusik muss nicht altmodisch sein, sie ist das, was wir daraus machen» – so lautet das Motto von Dani Bösch auf seiner Homepage. Dass hinter der vordergründig unverbindlich scheinenden Volksmusik mehr stecken kann, bewiesen die vier Musiker, die am 5. September in der Villa Wellentanz aufgespielt haben.

Mit Walter Grimm & Freunden eröffneten die Gastgeber Jean-Pierre Kousz und Barbara Münch die nunmehr vierte Saison der Wellentanz-Konzerte – zum ersten Mal mit einem Volksmusikprogramm, das gut besucht war.
Dass die beiden Musikfreunde ein gutes Händchen für attraktive Konzerte haben, erwies sich auch diesmal: Kennengelernt hatten sie die vier Musiker letztes Jahr und waren sofort begeistert.
Die Musiker
Walter Grimm, Inhaber des Winterthurer Unternehmens Musik Grimm & Piano-Center Grimm, ist leidenschaftlicher Klarinettist, Saxofonist und Querflötist und spielt in sehr unterschiedlichen Formationen. Dani Bösch entlockt seinem Akkordeon eine Vielfalt an Klängen, vom zartesten Pianissimo bis zu vollem Orchesterklang. Schon im Alter von sieben Jahren stand das Instrument im Zentrum seines Alltags. Auch er bewegt sich in unterschiedlichen Formationen; unter anderem begleitet er ein Jodelduett. Urs Krienbühl fühlt sich am Klavier sowohl in der Volksmusik als auch im Jazz zu Hause. Als ehemaliger Primarlehrer wechselte er vollamtlich zur Musik und spielt seit 40 Jahren mit namhaften Musikern zusammen. Er hat die Musikschule «proMusicante» mitbegründet. Oski della Torre, gelernter Koch, erlernte mit 28 Jahren bei Klaus Thalmann den Kontrabass – ein eindrückliches Beispiel dafür, dass selbst Spätberufene ihren Traum erfüllen können.
Das Programm
Den Auftakt machte der «Beduinen-Marsch» von Max Oscheit, den Walter Grimm vor fast 40 Jahren gehört hatte und nun in dieser Formation aus der Versenkung holte. Auf angenehme Art wurde es sogar politisch: «Dr. Alt-Regierungsrat» verschaffte sich in der Komposition von Fritz Dünner Gehör. Dünner ist ein persönlicher Bekannter der vier Musiker, der heute auf Mallorca lebt. Danach blies der «Malojawind» von Ueli Mooser durch den Raum, gefolgt von den «Donauwellen» von Josef Ivanovici. Man hört darin geradezu die Wellen und Stromschnellen, später das ruhige, breite Fliessen der Donau. «Noelle» hat Dani Bösch für die Taufe seiner Enkelin komponiert, die am Tag nach diesem Konzert stattgefunden hat. Im berühmten «Charmaine» von Erno Rapée und Lew Pollack wurde es leicht jazzig, und die «Tarantella» verführte das Publikum sogar zum Mitklatschen. Zum Schluss vor der Pause ertönte «Hand in Hand», das der Akkordeonist Martin Suter für die Hochzeit seines Sohnes geschrieben hatte. Walter Grimm spielt sehr oft mit ihm zusammen.

Nach der «Bergrosa» von Sven Nyhus ging es weiter mit dem «Zorro-Fox» von Willi Valotti. Dani kommentierte, dass Valotti beim Komponieren einen Film geschaut haben müsse, und tatsächlich würde der «Zorro-Fox» gut zu einem alten Slapstick-Stummfilm passen. Der Holländer Malando, mit bürgerlichem Namen Arie Maasland, komponierte den Tango «Olé Guapa» (Barbara: «sehr holländisch!»). Ein weiterer Tango, «Oblivion» von Astor Piazzolla, war sehr sprechend. Dani liebt an Piazzolla die Kombination von sehr feiner Musik mit harter Schroffheit. Später wurde es sogar leicht zweideutig: «Oben ohne, unde nüt» von Martin Nauer – der Titel gibt Rätsel auf. Ob das Stück einfach ein FKK-Schottisch sei, wie Walter humorig vermutete? Spätestens «Stormy Weather» liess weitere solche Vermutungen vergessen: Harold Arlen liess das Publikum in dieser Jazzballade das Wetter in freier Natur auf sehr sprechende Weise spüren, bevor Johannes Brahms mit seinem weltbekannten Ungarischen Tanz Nr. 5 den Abschluss des Konzerts bildete.
Das Publikum bedankte sich mit einer Standing Ovation, worauf die Musiker noch den «Endspurt» von Arnold Alder als Zugabe spielten.
Mehr als Ländlermusik
Volksmusik ist das, was wir daraus machen, so Dani Bösch – und was das Quartett hier daraus gemacht hat, ist wirklich beeindruckend. Profimusiker, wie es die vier sind, pflegen ohnehin ein Zusammenspiel, wie es nur erfahrene und versierte Interpreten vermögen und wovon sich die Konzertbesucher überzeugen konnten. Bei Walter und Dani ging es aber noch weiter: Die beiden spielten zusammen, als ob EIN Mensch EIN Instrument spielte, das gleichzeitig Klarinetten- und Akkordeonklänge hervorbringen kann. Dani empfindet ein Zusammenspiel tatsächlich als ein Hineinschlüpfen in den Klang seines Mitmusikers; besonders bei Gesang erlebe er es wie eine Vereinigung. Auch Walter sagt, er sei trotz jahrzehntelanger Praxis immer noch auf der Suche nach Klängen. Urs ergänzt: Ein besonderes Erlebnis sei es, mit wenigen Tönen viel Musik machen zu können.
Ja, wir haben zwar Volksmusik gehört. Wer aber genauer hinhörte, durfte in eine Klangwelt eintauchen, die weit über das freundliche und unverbindliche Plätschern üblicher Ländlermusik bei einem gemütlichen Fest hinausging.
Bericht: René Kousz
Fotos: Barbara Münch, Jean-Pierre Kousz
Besetzung
• Klarinette, Saxophone, Querflöte: Walter Grimm
• Akkordeon: Dani Bösch
• Klavier: Urs Krienbühl
• Kontrabass: Oski della Torre



Guten Sonntagmorgen
Nach dem gestrigen abenteuerlichen „Streifzug“ mit den vier virtuosen Musikern träumten wir uns durch verschiedene „Länder“…
Ihr habt einen wunderbaren Ort der Kultur und Begegnung geschaffen :-)) !
Herzlichen Dank für euer Engagement und eine gefreute Zeit!
Therese und Martin
Guten Tag Therese, guten Tag Martin
Herzlichen Dank für eure lieben Zeilen! Es freut uns sehr, dass euch der «Streifzug» mit den vier Musikern so gefallen hat. Genau solche Rückmeldungen sind es, die uns weitermachen lassen.
Herzliche Grüsse
Jean-Pierre